Camera Obscura – Earshot

Earshot

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(1) “Camera Obscura pt 1: The Star Chamber Reviews”
Rated: 7/7.


Die Niederländer ORDO DRACONIS bringen nach vierjähriger Veröffentlichungspause nicht nur ein neues Album heraus, sondern sogar zwei. Das erste davon, „Camera Obscura Pt.1: The Star Chamber Reviews”, ist ein Konzeptalbum, welches auf dem Theaterstück „Luzifer“ des niederländischen Regisseurs Vondel basiert, wobei verschiedene Sänger die verschiedenen Rollen übernehmen. Es konnten mit Martin Wiese von ENID und Moritz Neuner von ATROCITY auch sehr hochkarätige Gastmusiker verpflichtet werden.

Musikalisch beginnt man mit einem Jazzstück, was mich etwas verwundert, war mir ORDO DRACONIS bislang als melodische Black Metal-Band in Erinnerung. Doch schon beim nächsten Stück „Mock Trial“ scheint die Vergangenheit wieder durch, zwar klingt man avantgardistischer als auf den Vorgängerwerken, doch kann die Musik zweifelsohne noch dem Black Metal-Genre zugeordnet werden. „Vesper X“ tendiert dann mehr in Richtung klassische Musik, THERION lassen grüßen. „Writhing Tongue ” ist wieder ein melodischer Black Metal-Song mit sinfonischen Anklängen. „Angeldust“ klingt sehr sphärisch und lässt sich wohl am besten als Ambient beschreiben. Auf „Neuron Gutter, Neutron Star” treffen rasender Black Metal, ruhige Keyboardpassagen und klassische Elemente aufeinander. Mit „Debris“ endet das Album mit einer Verschmelzung von Metal und Klassik, wieder erinnert mich das musikalisch etwas an die Schweden THERION.

Auf ihren vorherigen Werken lieferten ORDO DRACONIS zwar stets eine gute Leistung ab, wirklich aus der Masse der Veröffentlichungen herausheben konnten sie sich allerdings nicht. Das wird sich mit diesem hochambitionierten Meisterwerk hoffentlich ändern.

Mike.

(2) “Camera Obscura pt 2: A View with a Room”
Rated: 7/7.

Mit „Camera Obscura Pt.2: A View With A Room” liegt mir nun das zweite neue ORDO DRACONIS-Album vor. Diesmal handelt es sich nicht mehr um ein Konzeptalbum, da die Songs nicht miteinander in Verbindung stehen.

Futuristisch, sphärisch und Industrial-lastig klingt das Intro zu diesem Album, bevor mit „Cloak & Dagger“ einer der, von den Prog-Parts abgesehen, am wenigsten experimentellen Song des Albums folgt. Melodischer Black Metal, wie man ihn von den vorherigen Veröffentlichungen der Band gewohnt ist, wird geboten. „Sirius Fever” beginnt mit Ethno-lastigen Percussions, erinnert mich danach teilweise ein wenig an neuere DIMMU BORGIR, beinhaltet aber auch Industrial-Einflüsse. „The Dancefloor Clinic“ bietet nach einem Jazz-lastigen Beginn ebenfalls melodischen Black Metal, mit sehr originellen Prog/Jazz-Teilen. „The Don Of Venice“ greift lyrisch das Faust-Thema (nach Marlow) auf, musikalisch gibt es kaum Experimente, der Song hätte auch auf eine ältere Veröffentlichung der Band gepasst. Das Outro des Albums ist ebenso wie das Intro wieder sehr futuristisch und Industrial-mäßig ausgefallen.

Ebenso wie “Camera Obscura Pt.1: The Star Chamber Reviews” ist „Camera Obscura Pt.2: A View With A Room” ein wirklich starkes Album geworden. Der Black Metal-Anteil ist auf diesem Album zwar höher, trotzdem ist es ebenso vielschichtig ausgefallen wie der erste Teil. Für Freunde anspruchsvollen Extrem-Metals sollten beide neuen Scheiben von ORDO DRACONIS wohl Pflicht sein.

Mike.