Camera Obscura – Metal Message

Metal Message

(website)

Ordo Draconis “Camera Obscura part 1 & 2”
Rated: 8/10.

Ein musikalisch höchst aufwändiges Doppelalbum als Nachfolger zu ihrem 2001er Debüt-Langspieler „The Wing And The Burden“ haben diese Niederländer fertig gestellt. Einige Gastmusikanten agierten dabei den Aufnahmen in den Karlsruher TidalWave Studios mit Produzent Patrick Damiani, darunter der österreichische Drummer Moritz Neuner, den man von Golden Dawn, Siegfried, Darwell, Abigor, Dornenreich, Leaves´ Eyes und vielen anderen Bands her kennen sollte. „Camera Obscura Pt. I – The Star Chamber Reviews“ offeriert sogleich die neuzeitlichen hochgesteckten Ambitionen von ORDO DRACONIS – es gibt betont theatralischen und technisch bis ins Allerletzte ausgefeilten Avantgarde Black Metal zu hören, mit haufenweise elektronischen (Tasten)Sperenzchen, mannigfaltigen stilistischen Querverweisen und diversen anspruchsvollen Chören. Auf weiten Strecken bleibt der schwermetallische Anteil weit unter Null zurück, mutig inszenierte Passagen künden dabei immer wieder von dem Bestreben, etwas vorher nicht da Gewesenes zu erschaffen. Operation geglückt, kann man da nur sagen.

Man traut sich schier nicht vorzustellen, wie viel extrem beflissene kompositorische Schwerstarbeit und wie viel Hingabe da drin steckt. Stellenweise wird man sofort an die Ergüsse von Arcturus, Sigh oder Winds zu ihren experimentellsten Zeiten erinnert. Doch ORDO DRACONIS schweifen auf diesem neuen Wahnsinnswerk noch viel weiter aus, als es Arcturus oder Sigh jemals getan haben, die holländische Band lehnt sich stilistisch somit schon sehr weit aus dem kreativen Fenster. Der theatralische Aspekt ihrer neuen Kompositionen bläht sich nicht selten zu nur schwer erträglicher monströser Größe auf. Die auf den vorhergehenden Scheiben zu vernehmenden Klassik-Einflüsse sind natürlich wieder mit an Bord, allerdings erfolgte die Umsetzung aktuell um einiges anspruchsvoller – was nicht heißt, dass sie eingängiger gestaltet wurden. Das Gegenteil ist nämlich der Fall. Die gesangliche Variabilität steht da nicht minder nach, neben typischen Schwarzmetallschreien gesellen sich Klargesänge diversester Phrasierungen dazu. „Camera Obscura Pt. II – A View With A Room“ bietet noch mehr von solcherlei Spektakel, jederzeit befremdlich atmosphärisch und unglaublich vielschichtig gehen die Holländer vor. Ihr einstiges Zielpublikum wird höchstwahrscheinlich größtenteils mit den Schultern zucken, angesichts des gebotenen musikalischen Sammelsuriums – tolerante Open Minded-Hörer aus diesem Bereich und an Avantgarde Black Metal ohnehin Interessierte sollten viel Zeit mitbringen und hier so ausgiebig als möglich reinhören. Denn was anfangs noch immens überladen wirkt, entfaltet nach mehreren Hördurchläufen durchaus kunst- und genussvolle Ohrwurmqualitäten.

Markus Eck.